Life Balance - eine Einladung zum Mitmachen

 

Der Begriff "Work Life Balance" ist aus unserem Leben kaum noch weg zu denken. Er steht für das ausgewogene Verhältnis zwischen dem Privat- und Berufsleben eines Menschen. Doch gerade durch die Umstellung vieler "Geistesarbeiter" auf das permanente Home Office wurde schnell klar, dass eine klare Grenze hier kaum möglich ist.

 

Rein rechnerisch geht diese vermeintliche Balance ebenfalls nicht auf. Unsere Woche hat 168 Stunden, ziehen wir 8 Stunden täglich für das Schlafen ab, bleiben uns 112 Stunden - durchschnittlich 40 davon zum Arbeiten, 72 als "freie Zeit". Die freie Zeit im Leben steht der Arbeit also mit fast doppelter Zeit "entgegen".

 

Die entscheidende Frage ist also nicht "Habe ich eine Work Life Balance?", sondern "Befinde ich mich in einer Life Balance?". Danach folgt "Bin ich zufrieden wie es läuft?".

 

Ein Modell, welches ich auch im 1:1 Coaching gern nutze, ist das Lebensbalance Modell von Nossrat Peseschkian.

 

Dabei geht es um 4 Lebensbereiche, die eng miteinander verwurzelt sind:

 

  1. Körper / Gesundheit
    (Fühlst Du dich gut? Tust du Genug für deine mentale und körperliche Gesundheit?)
  2. Beruf / Leistung
    (Erfüllt Dich deine Arbeit? Spürst du eine Über/Unterforderung?)
  3. Sinn
    (Kennst du Deine Ziele und den Sinn deines Lebens? Woraus schöpfst du Lebensenergie?)
  4. Soziales / Familie / Freunde
    (Ist dein soziales Umfeld verlässlich? Fühlst Du dich verstanden und sicher?)

 

Für die konkrete Nutzung dieses Modells habe ich folgendes Vorgehen entwickelt: Nach Erklärung dieser Bereiche, geht es im nächsten Schritt um die eigene Reflektion. Nimm Dir jetzt (ja, genau jetzt - Du hast Dir ja schließlich gerade auch die Zeit genommen, diesen Artikel zu lesen) einen Stift und einen Zettel, male einen Kreis und teile ihn in vier gleich große Tortenstücke. Jedes Stück ist nun Sinnbild für einen der 4 Lebensbereiche. Überlege Dir, wie voll, also wie zufrieden bist Du mit dem jeweiligen Tortenstück? Wenn Du sehr zufrieden bist, male es voll aus, bist Du mäßig zufrieden, nur bis zur Hälfte, usw.

 

Fertig?

 

Gut, nimm nun Abstand und blicke auf den Kreis - wie voll sind die einzelnen Stücke? Gibt es eines, das klar weniger befüllt ist als die anderen? Damit ein Rad sich ordentlich dreht, muss es gleichmäßig rund sein, gibt es demnach ein Feld, welches das Rad nicht rund laufen lässt?

Dieses Feld nehmen wir uns als Erstes vor. Sollten alle Stücke gleichmäßig befüllt sein, wähle eines aus, in dem Du dich gern weiterentwickeln möchtest.

 

Nun kommt die entscheidende Frage: Was kannst Du persönlich dafür tun, damit sich dieser Lebensbereich mehr entfaltet? Hast Du beispielsweise Potenzial im Bereich Körper entdeckt, frage Dich selbst, wie Du dich in diesem Bereich besser aufstellen kannst. Natürlich können Einflüsse wie Krankheiten, etc. zu solch einem Ergebnis führen, aber dennoch lassen sich immer Maßnahmen finden, sich besser in seinem Körper zu fühlen. Ich bin der Meinung, dass sich zu ambitionierte Ziele wie "ab sofort mache ich jeden Tag ein 45-Minuten-Sportprogramm" eh nur selten durchhalten lassen. Kleine Schritte garantieren hier mehr Erfolg. Wie wäre es zum Beispiel mit einem morgendlichen 10-minütigen Dehnprogramm, oder anstatt dem Fernseher am Abend anzuschalten, sich warm anzuziehen und 30 Minuten spazieren zu gehen?

 

Schreibe Deine Ziele auf, versehe den Kreis mit einem Datum und nutze ihn immer mal wieder zur persönlichen Reflektion.

 

Natürlich verändert sich dieser persönliche Lebenskreis ständig, dennoch ist es sinnvoll, hin und wieder auf sich selbst zu blicken und sich seinen eigenen Fortschritt vor Augen zu führen. Mit dem Abschluss des Jahres und der Zielsetzung für das nächste ist jetzt der perfekte Zeitpunkt dafür.

 

Text: Stefanie Grünberg

 

 Hier gehts zur Podcast Folge "Die Work-Life-Balance. Eine Illusion?":